„Ich wollte kein Fremdkörper sein“ – Ordensschwester Clara
Haben wir nicht alle diesen einen Gedanken im Kopf, bevor wir etwas Neues wagen: Passe ich da überhaupt rein? Bin ich nicht irgendwie … anders als die anderen?
Clara kennt genau dieses Gefühl – und wenn man ihre Geschichte liest, wird schnell klar: Genau das, was sie zunächst zurückgehalten hat, ist am Ende das geworden, was sie beim Mammutmarsch am meisten berührt hat.
„Ich war schon immer nicht so wie die anderen“
Clara ist Ordensschwester. Seit 33 Jahren. Und allein dieser Satz sorgt bei vielen schon für dieses kurze Innehalten. Passt das zusammen? Ordensleben und 50+ Kilometer Extremwandern?
Clara lacht, wenn sie darüber spricht. „Ich war schon immer nicht so wie die anderen“, sagt sie. „Und genau das fasziniert mich an der Mammut-Herde: Jede und jeder ist ein Unikat.“ Was erstmal wie ein schöner Satz klingt, bekommt bei ihr schnell mehr Tiefe, denn dieses „anders sein“ war für sie nicht immer leicht.
Wandern als Rettungsanker
Claras Geschichte ist ehrlich und direkt. „In meinen 15 Jahren des Ringens mit schweren Depressionen und PTBS fand ich im Wandern und Pilgern eine Selbsttherapie“, erzählt sie.
Schritt für Schritt. Kilometer für Kilometer. Ohne Ausweichen. Ohne Ablenkung.
„Vor drei Jahren stieß ich durch YouTube auf die Mammutmärsche und spürte sofort eine Sehnsucht danach, ‚einmal im Leben‘ 50 Kilometer am Stück zu wandern.“ Bei ihr ging es darum, es nicht „mal auszuprobieren“, sondern es „einmal im Leben zu schaffen“.
Der Moment, in dem man sich trotz allem anmeldet
Und dann kommt dieser Punkt, den wahrscheinlich jeder kennt, der schon mal beim Mammutmarsch war: Du hast Respekt, vielleicht sogar etwas Angst. Doch du meldest dich trotzdem an.
Bei Clara war das nicht anders: „Trotz meiner angeborenen und operierten Hüftdysplasie wagte ich es und meldete mich mit mulmigem Gefühl für den Mammutmarsch im Ruhrgebiet 2022 für 55 Kilometer an.“
Denn neben der körperlichen Herausforderung war da noch etwas anderes, das Clara beschäftigte: „Ich fürchtete, als ‚Fremdkörper‘ wahrgenommen zu werden.“ Und ganz ehrlich: Aus unserer Erfahrung ist das ein Gedanke, den mehr Leute haben, als sie zugeben würden.
55 Kilometer – und plötzlich ist alles anders
Dann ist es soweit: Der Mammutmarsch-Tag ist gekommen. Und plötzlich passiert etwas, womit Clara so nicht gerechnet hat. „Ich fand mich sofort in inspirierenden Gesprächen mit Gleichgesinnten wieder – und die Kilometer verstrichen wie im Flug.“
Diesen Moment, gefolgt von vielen weiteren, kann man schwer erklären, wenn man ihn nicht selbst erlebt hat. Du gehst los, zusammen mit vielen weiteren Menschen – alle mit ihrem eigenen Grund und ihrer eigenen Geschichte. Doch irgendwann spielt das alles keine Rolle mehr. Und „nach über 11 Stunden Marsch erreichte ich tatsächlich das Ziel – ein Gefühl der Erfüllung, das ich nie vergessen werde.“
Hilfe kommt oft genau dann, wenn du sie brauchst

Was Clara nach ihrem ersten Zieleinlauf erlebt hat, kennt fast jeder Mammutmarsch-Teilnehmer: Es bleibt nicht bei einem Mal.
„Bei jedem weiteren Marsch beeindruckten mich nicht nur die großartige Organisation und die freundlichen Volunteers, sondern auch die gegenseitige Hilfsbereitschaft.“ Und dann erzählt sie eine Szene, die ziemlich gut zeigt, was diese Events ausmacht: „Als ich mich in Hamburg mit Wadenkrämpfen die Stufen hinauf quälte, wurde mir von allen Seiten Magnesium zugesteckt.“
Kein großes Drama. Kein Heldentum. Einfach Menschen, die sehen, dass jemand gerade kämpft – und helfen.
„Und so schaffte ich trotz zusätzlicher Schneeschauer sogar 60 Kilometer.“ Das passiert nicht nur wegen der eigenen Willenskraft, sondern auch, weil dich andere mitziehen.
„Du bist hier schon Kult“
Mit der Zeit passiert noch etwas anderes: Du kommst wieder und wieder und irgendwann bist du nicht mehr „die Neue“. „Je öfter ich dabei bin, desto vertrauter werden mir die Gesichter und ich spüre die Freude, wenn ich wieder mitmarschiere.“
Und dann kam dieser eine Moment, der hängen bleibt: „Als ich einmal fragte, ob ich als Schwester hier so ‚sichtbar‘ sein könnte, antwortete jemand: ‚Du bist hier schon Kult.‘“
Das ist mehr als ein netter Spruch, sondern echte Akzeptanz.
Eine bunte Herde – und genau das ist der Punkt
Clara bringt es ziemlich klar auf den Punkt: „Hier fühle ich mich akzeptiert – einfach so, wie ich bin. Und das ist es, was die Mammut-Herde so besonders macht: Jeder darf sein authentisches Selbst sein.“
Und wenn man sich auf der Strecke umschaut, merkt man schnell: Da läuft nicht „der typische Teilnehmer“.
Da laufen:
- Menschen, die zum ersten Mal 30 km gehen
- Menschen, die 100 km knacken wollen
- Junge, Ältere, Introvertierte, Extrovertierte
- Leute mit Geschichten und Zielen
- …
„Wir sind eine bunte Herde, zusammengewürfelt aus Menschen unterschiedlichster Herkunft, Altersgruppen, Berufe und Weltanschauungen, vereint auf unserem Weg.“ Und genau das ist es. Nicht Gleichheit verbindet, sondern das gemeinsame Unterwegssein.
Vom „einmal im Leben“ zur echten Leidenschaft
Was als einmalige Idee angefangen hat, ist längst mehr geworden. „Als ich letztes Jahr den ‚mammufiziert‘-Button erhielt, wurde mir klar: Aus dem einfachen Wunsch, einmal 50 Kilometer zu wandern, ist eine Leidenschaft geworden, die mein Leben bereichert hat.“ Heute hat Clara an 9 Mammutmärschen teilgenommen.
„Jedes Mal, wenn ich unter dem Jubel der Menge ins Ziel einlaufe, weiß ich: Das war sicher nicht das letzte Mal.“ Dann spürt sie diese Mischung aus Herausforderung, Gemeinschaft und diesem besonderen Zielmoment. Und dann kommt noch dieser eine Satz, der einen zum Schmunzeln bringt, weil er so schön menschlich ist: „Kein Bier schmeckt mir so gut wie nach über 50 Kilometern.“
Was du aus Claras Geschichte mitnehmen kannst

Vielleicht stehst du gerade genau an dem Punkt, an dem Clara damals war: Du hast diesen Wunsch, aber auch Zweifel. Du fragst dich, ob du reinpasst, ob du mithalten kannst und ob das überhaupt „dein Ding“ ist.
Die Antwort, die dir Clara wohl geben würde: Du wirst es erst wissen, wenn du losgehst.
Wenn Claras Geschichte eins zeigt, dann das:
- Du musst nicht perfekt vorbereitet sein
- Du musst nicht aussehen wie „der typische Teilnehmer“
- Du musst nicht in irgendeine Schublade passen
- Du musst nur den ersten Schritt machen.
Und jetzt mal Klartext
Wenn eine Ordensschwester mit Hüftdysplasie, 15 Jahren mentalem Kampf im Gepäck und einem mulmigen Gefühl im Bauch 55 Kilometer geht – und danach nicht mehr aufhören will…
…was hält dich noch auf?
Und finde raus, was wirklich in dir steckt.
Denn die Mammut-Herde wartet nicht auf perfekte Menschen, sondern auf dich 🦣
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