Wandern bei Minusgraden: Tipps für sichere Wintertouren
Minusgrade sind kein Grund, die Wanderschuhe stehen zu lassen – im Gegenteil. Wer sich aufmacht, erlebt die Natur im Winter von ihrer intensivsten Seite: klare Luft, gefrorene Böden, vereiste Bäche und eine Stille, die man im Sommer selten findet. Mit der richtigen Vorbereitung wird Kälte nicht zur Belastung, sondern zum besonderen Kick. Denn genau darin liegt der Reiz: auch dann rauszugehen, wenn andere lieber drinnen bleiben – und den Winter mit jeder Tour neu für sich zu entdecken.
Warum Wandern trotz Minusgraden eine gute Idee ist
Viele schrecken zurück, sobald das Thermometer unter null sinkt. Doch genau dann lohnt es sich besonders, die Schuhe zu schnüren. Winterwanderungen bieten nicht nur außergewöhnliche Naturmomente, sondern auch handfeste Vorteile für Körper und Kopf.
Bewegung an der frischen Luft
Auch wenn die Natur im Winter scheinbar in Winterschlaf geht – für dich gilt das nicht. Draußen unterwegs zu sein, hält dich selbst in der kalten Jahreszeit aktiv. Wandern bringt Muskeln und Gelenke in Schwung, kurbelt Kreislauf an und sorgt dafür, dass du dich nach der Tour wohlig warm fühlst.
Positiver Effekt auf Stimmung und Energie
Kurze Tage, wenig Licht – viele fühlen sich im Winter antriebslos. Ein Spaziergang oder eine Wanderung bei Minusgraden gibt dir die Extraportion Licht, steigert die Energie und hellt nachweislich die Stimmung auf. Schon eine Stunde draußen kann einen deutlichen Unterschied machen.
Natur im Winter erleben
Egal ob Raureif auf den Wiesen, Nebelschwaden über den Feldern oder die absolute Stille in einem frostigen Wald – im Winter zeigt sich die Natur von einer Seite, die man im Sommer kaum erlebt. Wer sich rauswagt, entdeckt bekannte Wege völlig neu.
Gemeinschaft statt Rückzug
Gerade im Winter ist die Versuchung groß, sich zurückzuziehen. Eine gemeinsame Wanderung gibt Struktur, Motivation und schafft Raum für Gespräche, die die Kälte schnell vergessen lassen. Gemeinsam friert man weniger – und lacht dafür mehr.
Wissenswert: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Menschen ab 65 mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Auch im Winter lässt sich das durch regelmäßiges Wandern problemlos erreichen – egal ob allein oder in der Gruppe.
Die richtige Kleidung – Schicht für Schicht geschützt

Bei Minusgraden entscheidet die Kleidung darüber, ob du deine Wandertour genießt oder frierend abbrechen musst. Die wichtigste Regel: Zwiebelprinzip. Statt einer dicken Schicht setzt du auf mehrere dünne, die du je nach Temperatur an- oder ausziehen kannst.
1. Basisschicht – trocken bleiben
Funktionsunterwäsche aus Merinowolle oder Synthetik hält dich trocken, indem sie Schweiß nach außen leitet. Baumwolle solltest du vermeiden – sie saugt sich mit Feuchtigkeit voll und kühlt den Körper schnell aus.
2. Isolationsschicht – Wärme speichern
Eine wärmende Schicht sorgt dafür, dass die Körperwärme nicht entweicht. Fleecejacken, leichte Daunenjacken oder Kunstfaser-Isolierungen sind hier ideal. Wichtig: atmungsaktiv, damit Feuchtigkeit nach außen entweichen kann.
3. Außenschicht – Schutz vor Wind und Nässe
Ob Wind, Schnee oder Regen – eine wasserdichte und winddichte Hardshell-Jacke schützt zuverlässig. Achte auf Belüftungsreißverschlüsse (z. B. unter den Achseln), damit du nicht überhitzt.
Wintertaugliche Wanderschuhe
Wasserdicht, isoliert und mit griffiger Sohle – so sollten deine Schuhe aussehen, wenn du bei Frost unterwegs bist. Ein mittelhoher Schaft gibt Stabilität, ohne den Fuß einzuengen. Für vereiste Wege lohnen sich Grödel oder Spikes, die du einfach über die Schuhe ziehst. So lässt sich die Rutschgefahr deutlich reduzieren.
Hände, Kopf und Füße nicht vergessen
- Handschuhe: am besten in zwei Lagen (dünn + winddicht)
- Mütze oder Stirnband: über den Kopf geht viel Wärme verloren
- Schal oder Buff: schützt Hals und Gesicht vor Kälte
- Thermosocken: halten die Füße warm, ohne dass sie ins Schwitzen geraten
Achtung: Viele ziehen sich zu warm an. Starte lieber mit einem leichten Kältegefühl – nach den ersten hundert Metern wird dir ohnehin warm.
Ausrüstung fürs Wandern bei Minusgraden

Die richtige Ausrüstung macht im Winter den Unterschied zwischen einer genussvollen Tour und einer riskanten Belastungsprobe. Sie sollte dich schützen, dir Sicherheit geben und gleichzeitig so leicht wie möglich bleiben.
Stöcke für mehr Halt
Wanderstöcke sind bei Kälte besonders hilfreich: Sie entlasten Gelenke, geben dir Stabilität auf gefrorenem Untergrund und helfen, das Gleichgewicht zu halten, wenn es rutschig wird.
Licht und Orientierung
Im Winter sind die Tage kurz. Eine Stirnlampe gehört deshalb in jeden Rucksack – auch wenn du nur eine kurze Tour planst. Plane Reservebatterien oder ein Powerbank ein, damit du nicht im Dunkeln stehst.
Flüssigkeit und Energie
Eine Thermosflasche mit heißem Tee wärmt nicht nur, sondern sorgt auch für Flüssigkeitszufuhr. Außerdem verbraucht dein Körper in der Kälte mehr Energie. Energieriegel, Nüsse oder Trockenfrüchte liefern schnell verfügbare Kalorien.
Sicherheit & Extras
- Erste-Hilfe-Set inkl. Rettungsdecke
- Handy mit geladenem Akku & Notfallnummern
- Wechselshirt oder dünne Zusatzschicht (für Pausen)
- Leichte Sitzunterlage, damit du dich nicht auf den kalten Boden setzen musst
Sicherheit und Planung im Winter

Minusgrade bringen eigene Regeln mit sich. Wer sie kennt, wandert sicherer – und kann die Tour genießen, statt sich unnötig in Gefahr zu bringen.
Tageslicht im Blick behalten
Die Sonne geht im Winter früh unter. Starte deine Tour daher lieber am Morgen und plane so, dass du vor Einbruch der Dunkelheit zurück bist. Kurze, gut markierte Routen sind besser geeignet als lange Wanderungen.
Wetter checken – und ernst nehmen
Kälte allein ist selten das Problem. Zur Gefahr werden Wetterumschwünge wie Schneefall, Eisregen oder plötzlicher Nebel. Prüfe die Vorhersage vor jeder Tour und beobachte den Himmel unterwegs. Bei Warnmeldungen (z. B. Glatteis) gilt: lieber abbrechen als riskieren.
Lawinengefahr in den Bergen
Im Mittel- oder Hochgebirge spielt die Lawinenlage eine große Rolle. Informiere dich vorab bei offiziellen Stellen (z. B. Lawinenwarndienst Bayern) und meide gefährdete Hänge, wenn du keine alpine Erfahrung hast.
Pausen bewusst planen
Im Winter kühlt der Körper in Pausen schnell aus. Statt einer langen Rast sind mehrere kurze Stopps sinnvoll: trinken, snacken, kurz durchatmen – und dann weitergehen, bevor dir die Kälte in die Glieder zieht.
Notfallvorsorge
- Informiere eine Person über deine Route und Rückkehrzeit.
- Nimm ein aufgeladenes Handy mit, am besten mit einer Outdoor-App oder Notfall-App.
- In den Bergen: Kartenmaterial als Backup, falls Akku oder Netz versagen.
Achtung: Wer zu spät losgeht oder das Wetter unterschätzt, bringt sich schnell in Gefahr. Plane defensiv – im Winter sind 8 Kilometer durch den Schnee oft anstrengender als 15 Kilometer im Sommer.
Temperaturbereiche beim Winterwandern – worauf du achten solltest
Nicht jede Minusgrad-Zahl ist im gleichen Maße herausfordernd. Schon kleine Unterschiede machen viel aus – für Kleidung, Planung und Sicherheit.
| Temperaturbereich | Gegebenheiten | Worauf achten? |
| 0 bis -5 °C | Leicht frostig, oft noch ohne Schnee | Leichte Isolationsschicht reicht, Pausen problemlos möglich, Rutschgefahr durch gefrorene Böden beachten |
| -5 bis -10 °C | Deutlich kälter, längere Pausen kühlen aus | Zusätzliche Isolationsschicht, Handschuhe/Mütze ratsam, kurze Pausen, Thermosflasche dabeihaben |
| -10 bis -15 °C | Kalte, trockene Luft, schnelle Auskühlung | Mehrere Schichten, Gesichtsschutz (Buff/Schal), kurze Strecken oder sichere Rückzugsmöglichkeiten wählen |
| -15 °C und kälter | Extrembedingungen, nur für Geübte | Nur mit Erfahrung und kompletter Winterausrüstung, Gefahr von Erfrierungen, Tourdauer stark reduzieren, Gruppenwanderung empfohlen |
Unser Tipp: Orientiere dich nicht nur an der Temperatur, sondern auch am Windchill-Effekt. -5 °C mit starkem Wind können sich schnell wie -15 °C anfühlen.
Geeignete Winterwanderungen in Deutschland

Deutschland bietet zahlreiche Wege, die auch bei Minusgraden gut begehbar sind. In vielen Regionen gibt es spezielle Winterwanderwege, die markiert, geräumt oder sogar präpariert werden. So lassen sich verschneite Landschaften genießen, ohne ins Risiko zu gehen.
Harz – Winterwandern zwischen Wäldern und Brockenblick
Der Harz bietet viele kurze bis mittellange Wintertouren. Besonders beliebt sind die Rundwege um Schierke oder durch das Bodetal. Gut markiert, teils geräumt und mit urigen Einkehrmöglichkeiten.
Schwarzwald – Panoramawanderungen auf geräumten Wegen
Rund um Feldberg und Titisee gibt es eigens präparierte Winterwanderwege. Hier kannst du 5–10 km lange Touren auf gut befestigten Wegen unternehmen, oft mit Ausblicken über verschneite Täler.
Bayerischer Wald – zertifizierte Winterwanderwege
In Regionen wie Bodenmais oder Zwiesel findest du markierte Strecken mit Längen zwischen 3 und 12 km. Teilweise barrierearm, perfekt auch für gemütliche Winterspaziergänge.
Allgäu – verschneite Täler und Höhenblicke
Ob am Alpsee oder rund um Oberstdorf: Hier warten Winterwanderungen mit klarer Bergsicht. Viele Wege sind als Premium-Winterwanderwege ausgezeichnet.
Wissenswert: Winterwanderwege sind nicht mit Schneeschuhrouten zu verwechseln. Schneeschuhe lohnen sich, wenn du ungeräumte Wege oder tief verschneite Landschaften erkunden möchtest. Für präparierte Routen reichen gute Winter- oder Wanderschuhe mit Grödeln.
Mammutmarsch-Training im Winter – Herausforderung annehmen

Zugegeben: Mammutmarsch-Events finden nicht in den kältesten Monaten statt – zwischen November und Februar ist Winterpause. Aber genau das macht den Winter ideal, um dich vorzubereiten. Wer bei Minusgraden draußen trainiert, stärkt nicht nur seine Ausdauer, sondern auch den Kopf.
Wenn du im Frühling oder Herbst bei einer 30-, 42-, 55-, 60- oder sogar 100-km-Distanz an den Start gehst, hast du dann schon die härteste Hürde genommen: dich auch bei Kälte und Dunkelheit aufzuraffen. Und genau darum geht es beim Mammutmarsch – Grenzen verschieben, persönlich wachsen und den inneren Schweinehund besiegen.
Winterwanderungen sind also mehr als nur Training: Sie bringen dich mental in die richtige Haltung, um im nächsten Mammutmarsch-Event alles zu geben – egal, für welche Distanz du dich entscheidest.
FAQ – Häufige Fragen zum Wandern bei Minusgraden
Wie kalt ist zu kalt fürs Wandern?
Bis etwa -10 °C ist Wandern mit guter Ausrüstung und passender Kleidung gut möglich. Unter -15 °C sollte man Touren nur mit Erfahrung und in Begleitung machen, da die Erfrierungsgefahr steigt.
Welche Kleidung ist am wichtigsten bei Minusgraden?
Mehrere Schichten nach dem Zwiebelprinzip: Funktionsunterwäsche, wärmende Isolationsschicht und wind- bzw. wasserdichte Außenschicht. Mütze, Handschuhe und warme Socken sind unbedingt empfehlenswert.
Kann man bei Minusgraden allein wandern?
Ja, aber es ist sicherer, mit anderen unterwegs zu sein. Wer allein geht, sollte Route und Rückkehrzeit unbedingt mitteilen und ein Handy dabeihaben.
Welche Wanderausrüstung brauche ich zusätzlich im Winter?
Griffige Schuhe (ggf. mit Grödeln), Stirnlampe, Thermosflasche, Energieriegel, Erste-Hilfe-Set und Ersatzkleidung für Pausen.
Sind Winterwanderwege markiert?
In vielen Regionen (z. B. Schwarzwald, Bayerischer Wald) gibt es speziell präparierte und markierte Winterwanderwege. Diese sind kürzer, geräumt und sicherer als ungeräumte Routen.
Unser Fazit zum Wandern bei Minusgraden

Wandern bei Minusgraden ist keine verrückte Idee, sondern eine der intensivsten Arten, den Winter zu erleben. Mit der richtigen Kleidung, Ausrüstung und Planung wird aus der Kälte kein Hindernis, sondern ein Ansporn. Ob auf geräumten Winterwanderwegen, in verschneiten Wäldern oder bei knackig-frostigen Trainingstouren: Jede Tour im Winter bringt dich weiter – körperlich und mental. Und wenn du die Minusgrade meisterst, bist du bestens vorbereitet für die nächsten großen Abenteuer, ob allein oder mit der Mammutherde.
Autorin: Lenita Behncke
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