Mit 75 noch 100 Kilometer? Was Jörg uns über Ausreden, Grenzen und Alter zeigt
„Ich bin zu alt dafür.“
Ein Satz, den viele Menschen irgendwann sagen – manchmal mit 60, manchmal mit 45 und manche sogar schon mit 30.
Zu alt für eine neue Sportart, für eine berufliche Veränderung, für ein Abenteuer oder um etwas zu starten, das ganz schön herausfordernd wirkt.
Doch dann gibt es Menschen wie Jörg.
An diesem Tag bereits mit über 70 Kilometer in den Beinen. Und eine Nacht hinter sich, die von Müdigkeit, schmerzenden Füßen und Momenten geprägt ist, in denen Aufgeben vermutlich die deutlich bequemere Option gewesen wäre. Und trotzdem fehlen noch rund 30 Kilometer bis zum Ziel. Achja, Jörg ist übrigens 75 Jahre alt.
Auf die Frage, wie es ihm nach diesen Strapazen geht, antwortet er nur: „Ich bin halt nicht mehr so schnell wie früher.“
Nicht: „Ich bin alt, ich kann das nicht mehr.“ Oder: „Das ist nichts mehr für Leute in meinem Alter.“ Oder: „Vielleicht sollte ich das lieber lassen.“
Und vielleicht steckt genau darin etwas, das viele von uns vergessen haben: Wir limitieren uns oft viel zu früh, während unser Körper noch in der Lage ist, weiterzumachen.
Wir können viel mehr erreichen als wir denken
Es gibt eine merkwürdige Entwicklung, die bei vielen zu beobachten ist: Je älter wir werden, desto mehr schränken wir unsere Vorstellungen davon ein, was möglich ist.
Als Kinder machen wir uns darüber kaum Gedanken. Wir springen auf Bäume, probieren Dinge aus, fallen hin und stehen wieder auf. Ein Kind sagt selten: „Ich glaube, dafür bin ich nicht geeignet.“
Später, mit dem Erwachsenwerden, verändert sich das. Dann tauchen Sätze in unserem Wortschatz auf, wie:
- „Dafür bin ich zu unsportlich.“
- „Ich bin nicht der Typ dafür.“
- „Mit meinem Alter wird das nichts mehr.“
- „100 Kilometer? Niemals!“
Spannend ist: Oft wissen wir gar nicht, ob etwas unmöglich wäre. Wir haben es einfach nur nie ausprobiert. Letztlich sortieren Möglichkeiten aus, bevor wir ihnen überhaupt eine Chance gegeben haben.
Die eigentliche Hürde sitzt oft nicht in den Beinen
Keine Frage: 100 Kilometer am Stück zu gehen, ist kein Spaziergang. Es fordert den Körper, die Konzentration und die mentale Stärke.
Aber wenn man Menschen fragt, was sie am meisten überrascht hat, nachdem sie eine große Herausforderung gemeistert haben, kommt oft dieselbe Antwort: Nicht die Strecke war das Schwierigste, sondern der eigene Kopf.
Weil dort Stimmen auftauchen:
Was, wenn ich es nicht schaffe?
Was, wenn ich zu langsam bin?
Was, wenn ich mich blamiere?
Was, wenn es zu anstrengend wird?
Und das Wichtigste dabei: Diese Gedanken haben nichts mit dem Alter zu tun.
Sie tauchen bei Menschen mit 25, 40 und auch bei Menschen mit 75 auf. Der Unterschied ist also oft nicht, wer stärker, schneller oder fitter ist, sondern wer sich entscheidet, trotzdem loszugehen.
Vielleicht ist „zu alt“ oft einfach „zu unsicher“
Viele Dinge, die wir auf das Alter schieben, haben eigentlich andere Gründe. Vielleicht haben wir schlichtweg Angst davor, zu scheitern. Vielleicht wollen wir uns auch nicht eingestehen, dass wir uns etwas nicht zutrauen. Oder wir sind einfach nur zu bequem, unsere Komfortzone zu verlassen.
Denn seien wir ehrlich: Komfortzonen sind ziemlich gemütlich.
Sie verlangen nicht, früh aufzustehen. Sie verlangen keine Vorbereitung, keine Anstrengung und auch keinen Muskelkater. Komfortzonen bringen aber leider auch selten Geschichten hervor, auf die man später stolz zurückblickt.
Menschen wie Jörg zeigen aber noch etwas anderes.
Nicht, dass jeder mit 75 plötzlich 100 Kilometer laufen muss. Es geht darum, dass viele Grenzen nicht dort liegen, wo wir glauben.
Es geht nicht darum, der Schnellste zu sein

„Ich bin halt nicht mehr so schnell wie früher“ offenbart noch etwas anderes. Denn in diesem Satz steckt keine Entschuldigung, sondern reine Ehrlichkeit.
Ja, der Körper verändert sich mit den Jahren. Womöglich wird man langsamer, man braucht länger für die Regeneration und manches läuft einfach anders als mit 25. Aber langsamer ist nicht gleichbedeutend mit „nicht mehr vorwärtskommen“ oder dass Abenteuer plötzlich vorbei sind.
Wir leben in einer Welt, in der oft nur Tempo zählt: Schneller laufen, schneller arbeiten, schneller Ergebnisse sehen.
Doch dabei vergessen wir manchmal, dass Ankommen wichtiger sein kann als die Geschwindigkeit an sich.
75 Jahre alt und 100 Kilometer am Stück gehen steht also nicht dafür, jemandem etwas zu beweisen, sondern zeigt, dass es möglich ist.
Die Frage ist nicht: „Kann ich das?“
Vielleicht ist die spannendere Frage: Bei was sage ich eigentlich „niemals“, obwohl ich es nie versucht habe?
Dabei muss es gar nicht um 100 Kilometer gehen. Vielleicht sind es 30 Kilometer. Oder etwas ganz anderes: Eine neue Herausforderung im Job, eine Reise oder etwas, das schon lange in deinem Kopf herumspukt und immer wieder auf „irgendwann“ verschoben wird.
Doch „irgendwann“ ist tückisch. Wir haben alle davon gehört: Aus irgendwann wird später – und aus später manchmal nie.
Jörg erinnert daran, dass Menschen nicht plötzlich aufhören, Dinge zu können, nur weil eine Zahl größer wird.
Die letzte Frage an dich lautet daher: Wo setzt du dir selbst Grenzen, lange bevor du sie überhaupt erreicht hast?
Und wenn du vom Denken ins Handeln kommen möchtest, einmal Hand aufs Herz:
Wenn du jetzt entscheiden müsstest, würdest du zum 100 Kilometer Marsch antreten oder denkst du noch: „Niemals“?
Ganz ehrlich, wir sind der festen Überzeugung, dass in dir mehr steckt, als du gerade glaubst.
Es ist an der Zeit herauszufinden, wie weit dich deine eigenen Schritte tragen können.
Noch mehr Tipps und Motivation für deine nächsten Touren findest du hier: