„Ich wollte nicht mehr“ – Wie ich gelernt habe, niemals aufzugeben

„Aufgeben ist keine Option.“

Heute ist dieser Satz mein Lebensmotto. Doch das war nicht immer so. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich nicht wusste, wie ich den nächsten Tag überstehen sollte. Eine Zeit, in der ich jede Hoffnung verloren hatte und keinen Ausweg mehr sah.

Wenn Menschen von Mobbing hören, denken viele an verletzende Kommentare oder dumme Sprüche. Doch wer es selbst erlebt hat, weiß, dass Mobbing viel tiefer geht. Es zerstört das Vertrauen in andere Menschen, es nimmt einem die Freude am Leben und irgendwann beginnt man sogar, an sich selbst zu zweifeln. Genau das ist mir passiert.

Als mein Leben zusammenbrach

Im Jahr 2022 wurde ich von zwei Kollegen massiv gemobbt und schikaniert. Was für Außenstehende vielleicht wie einzelne Vorfälle ausgesehen haben mag, war für mich ein täglicher Kampf. Jeden Morgen ging ich mit einem schlechten Gefühl zur Arbeit. Jeden Abend nahm ich die Erlebnisse mit nach Hause.

Mit der Zeit raubten mir die ständigen Angriffe jede Kraft. Irgendwann konnte ich weder einkaufen gehen, noch hatte ich Energie, um zu kochen. Selbst alltägliche Dinge wie Duschen oder den Haushalt zu erledigen, fühlten sich an, als müsste ich einen Berg besteigen.

Schließlich kam ich in eine Klinik. Dort wurde neben den aktuellen Belastungen auch ein weiteres Trauma aufgearbeitet. Statt besser wurde zunächst alles noch schlimmer. Der Schmerz, die Erschöpfung und die Hoffnungslosigkeit wurden so groß, dass ich irgendwann keinen Grund mehr sah, weiterzuleben.

Heute fällt es mir schwer, diese Zeit in Worte zu fassen. Es war, als hätte jemand das Licht ausgeschaltet. Jeder Tag fühlte sich dunkel an. Jeder Schritt kostete unendlich viel Kraft.

Mobbing hinterlässt Spuren, die weit über den Arbeitsplatz hinausgehen. Es verändert den Blick auf sich selbst. Irgendwann beginnt man, die verletzenden Stimmen von außen zu übernehmen und ihnen zu glauben. Genau das war mein größter Kampf.

Schritt für Schritt zurück ins Leben

Der Weg zurück war lang. Es gab keine plötzliche Wendung und keinen Moment, in dem alles wieder gut war. Stattdessen bestand dieser Weg aus vielen kleinen Schritten. Manchmal war mein größter Erfolg, überhaupt aufzustehen. Manchmal bestand er darin, das Haus zu verlassen oder eine Aufgabe zu erledigen, die früher selbstverständlich gewesen war.

Doch mit jedem kleinen Erfolg kam ein Stück Vertrauen zurück.

Ich begann zu verstehen, dass die Menschen, die mich verletzt hatten, nicht darüber entscheiden dürfen, wer ich bin. Und ich begann zu erkennen, dass in mir mehr Stärke steckt, als ich jemals vermutet hatte.

Der Mammutmarsch als Bewährungsprobe

Als ich mich für den Mammutmarsch anmeldete, ahnte ich nicht, welche Bedeutung dieser Tag für mich bekommen würde. Natürlich wusste ich, dass 55 Kilometer eine Herausforderung sind. Aber ich dachte dabei vor allem an die körperliche Anstrengung.

Dass dieser Tag zu einer mentalen Reise werden würde, hatte ich nicht erwartet.

Rückblickend war der Mammutmarsch viel mehr als eine Wanderung. Er wurde zu einem Beweis dafür, dass ich stärker bin, als ich selbst glaubte.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre hatte ich vieles verloren: Vertrauen, Selbstwertgefühl und das Gefühl, Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können.

Der Mammutmarsch wurde für mich deshalb zu weit mehr als einer sportlichen Herausforderung. Er wurde zu einer Frage: Was passiert, wenn ich nicht aufgebe?

Warum der Mammutmarsch für mich mehr war als 55 Kilometer

Die Zweifel, die während des Marsches auftauchten, fühlten sich vertraut an. Es waren dieselben Zweifel, die mich nach dem Mobbing begleitet hatten. Dieselben Stimmen, die mir einreden wollten, dass ich nicht stark genug sei.

Diesmal entschied ich mich jedoch, ihnen nicht zu glauben.

„Ich bin bei dem Marsch weit über meine Grenzen gegangen und habe so erfahren, wozu ich eigentlich imstande bin“, sage ich heute. Eine Erkenntnis, die für viele Menschen vielleicht selbstverständlich klingt. Für mich war sie es nicht.

Ich war es gewohnt gewesen, meine eigenen Leistungen kleinzureden. „Ach, meine Kollegen behandeln mich gar nicht so schlimm.“ Oder: „Andere laufen solch einen Marsch auch mit Schmerzen, das ist doch keine Leistung.“

Doch die Reaktionen meines Umfelds haben mir gezeigt, dass ich meine Erfolge viel zu oft herunterspiele. Gerade der Mammutmarsch hat mir deutlich gemacht, dass ich stolz auf das sein darf, was ich geschafft habe.

Kilometer für Kilometer

Irgendwann während des Marsches hörte ich auf, an die gesamte Strecke zu denken. Das Ziel lag noch zu weit entfernt. Also konzentrierte ich mich auf den nächsten Abschnitt.

„Meine Gedanken kreisten nur noch von Kilometer zu Kilometer.“

Rückblickend wurde mir klar, dass genau dieses Prinzip mich auch durch die schwerste Zeit meines Lebens getragen hatte. Nach dem Mobbing konnte ich nicht mein gesamtes Leben auf einmal wieder aufbauen. Ich konnte nur den nächsten Schritt gehen. Einen Tag nach dem anderen. Eine Herausforderung nach der anderen.

Genauso war es beim Mammutmarsch. Nicht die gesamten 55 Kilometer auf einmal, sondern Schritt für Schritt – Kilometer für Kilometer.

Die Kraft der Gemeinschaft

Eine der wichtigsten Erfahrungen machte ich jedoch nicht mit mir selbst, sondern mit anderen Menschen. Mobbing lebt von Ausgrenzung, es vermittelt das Gefühl, allein zu sein. Es sorgt dafür, dass man sich zurückzieht und irgendwann glaubt, niemand würde einen verstehen.

Beim Mammutmarsch habe ich das Gegenteil erlebt.

Hier habe ich Menschen kennengelernt, die füreinander da sind. Menschen, die unterstützen, ohne zu urteilen. Menschen, die an andere glauben, selbst wenn diese gerade nicht an sich selbst glauben können.

Besonders André und Kathy sind mir in Erinnerung geblieben. „Ohne die Führung mit der Hand von André und Kathy wäre ich nicht mehr weiter gekommen.“ Was mich daran bis heute berührt, ist die Art ihrer Unterstützung. „Sie haben mir nichts abgenommen und mich nicht gestützt, nur geführt.“ Genau darin steckt für mich die besondere Stärke der Mammutmarsch-Community.

Niemand läuft den Weg für dich – aber du musst ihn auch nicht allein gehen.

Was im Ziel wirklich zählte

Als ich schließlich die Ziellinie erreichte, war ich natürlich stolz auf die geschafften 55 Kilometer.

Doch das war nicht das Wichtigste. Wichtiger war die Erkenntnis, die ich mit nach Hause nahm.

Die Menschen, die mich gemobbt hatten, hatten mir über lange Zeit das Gefühl gegeben, klein zu sein. Sie hatten mein Selbstvertrauen erschüttert und dafür gesorgt, dass ich meine eigenen Stärken nicht mehr sehen konnte.

Der Mammutmarsch hat mir gezeigt, dass diese Menschen nicht recht hatten. Er hat mir gezeigt, dass ich Herausforderungen bewältigen kann. Dass ich stärker bin, als ich lange geglaubt habe. Und dass schwierige Erfahrungen nicht darüber entscheiden müssen, wie die eigene Geschichte endet.

Heute weiß ich: Die Narben dieser Zeit werden immer ein Teil von mir bleiben, aber sie bestimmen nicht mehr mein Leben.

Stattdessen erinnere ich mich an das, was ich gelernt habe:

Dass man stärker sein kann, als man denkt.

Dass Hilfe anzunehmen keine Schwäche ist.

Und dass man selbst nach den dunkelsten Zeiten wieder Vertrauen in sich selbst finden kann.

Deshalb bleibt ein Satz für mich wichtiger als jeder andere:

Aufgeben ist keine Option

Nicht, weil das Leben immer leicht ist, sondern weil ich gelernt habe, dass hinter jeder Herausforderung die Chance steckt, über sich hinauszuwachsen. Der Mammutmarsch hat mir nicht nur gezeigt, wie weit ich laufen kann – er hat mir gezeigt, wie weit ich schon gekommen bin.

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