Mammutmarsch alleine: Monas Geschichte vom Alleinstarten und Trotzdem-dazugehören
Kann man sich alleine beim Mammutmarsch anmelden und es trotzdem genießen?
Diese Frage klingt erstmal so, als ob man am Start irgendwie komisch herumstehen würde, während um einen herum alle in Gruppen lachen, Selfies machen und schon vor dem ersten Kilometer gemeinsame Insider haben.
Monas erster Mammutmarsch begann nicht als Soloprojekt, sondern auf einem Familientreffen im März 2018, mit ein bisschen Sekt, ein paar Schnäpsen und dieser leicht gefährlichen Stimmung, in der man plötzlich Dinge sagt wie: „Komm, wir melden uns einfach an.“
Noch am selben Abend buchten Mona und ihr Bruder den Mammutmarsch in München. Was damals als gemeinsames Abenteuer begann, wurde über die Jahre zu etwas, das Mona heute ganz bewusst für sich alleine macht. Nicht, weil sie keine Menschen mag, sondern weil sie gemerkt hat, dass Alleinsein auf der Strecke nicht automatisch Einsamkeit bedeutet.
„Warum ausgerechnet meine Geschichte?“
Als wir Mona fragten, ob wir ihre Geschichte erzählen dürfen, verstand sie erst nicht ganz, warum. Sie meinte, es gebe doch so viele andere Geschichten, die emotionaler seien, dramatischer, bemerkenswerter. Menschen, die größere Krisen überwunden haben, längere Wege gegangen sind, härter gekämpft haben. Aber darum geht es beim Mammutmarsch nicht immer.
Nicht jede Geschichte muss laut sein, um etwas auszulösen. Manche Geschichten sind gerade deshalb wichtig, weil sie leise anfangen. Weil sie von etwas erzählen, das viele kennen, aber selten groß aussprechen: dem Wunsch, mal etwas nur für sich zu machen. Ohne sich abzustimmen, ohne auf andere zu warten, ohne im Alltag wieder allen gerecht werden zu müssen, nur sich selbst nicht.
Mona hat mit ihrer Art, alleine loszugehen, viele inspiriert. Nicht, weil sie daraus eine Heldinnengeschichte gemacht hat, sondern weil sie so ehrlich davon erzählt: dass es gut tun kann, sich selbst wieder ein bisschen näherzukommen. Schritt für Schritt, irgendwo zwischen Startbogen, Verpflegungspunkt, müden Beinen und diesem warmen Mammutmarsch-Gefühl, das man schwer erklären kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat.
Wie alles begann: Sekt, Schnaps und eine Anmeldung
„Alles begann im März 2018 auf einem typischen Familientreffen“, erzählt Mona. Niemand saß damals mit Trainingsplan und Stirnlampe am Tisch oder hatte feierlich beschlossen, dass jetzt ein neues Kapitel der persönlichen Grenzerfahrung beginnen würde. Es war eher diese Mischung aus guter Laune, Familienenergie und leichter Selbstüberschätzung, die beim Mammutmarsch erstaunlich oft eine Rolle spielt.
Noch am selben Abend meldeten sich Mona und ihr Bruder spontan für den Mammutmarsch München an. Ein Klick, zwei Tickets, ein gemeinsames Ziel. Aus einer Idee wurde ein Termin. Aus einem „Das könnten wir doch mal machen“ wurde plötzlich: Wir machen das wirklich.
Seitdem hat sich viel verändert. Monas Gepäck ist leichter geworden, ihr Equipment besser, die Abläufe vertrauter. Der Rucksack ist heute nicht mehr einfach irgendwie gepackt, sondern deutlich durchdachter. Schuhe, Socken, Snacks, Blasenpflaster, Wechselkleidung – alles hat seinen Platz. Wer einmal zu viel mitgenommen hat, lernt. Wer einmal zu wenig mitgenommen hat, lernt schneller.
Aber eines ist geblieben: dieses Kribbeln, sobald sie sich für einen Mammutmarsch anmeldet. Oder auch, wenn sie mal nur die Instagram-Stories verfolgt und sieht, wie andere irgendwo starten, durch die Nacht gehen, lachen, fluchen, weitergehen.
Alleine starten heißt nicht alleine sein

Seit 2022 startet Mona die meisten Märsche ganz bewusst alleine. Nicht aus Trotz oder weil sie niemanden gefunden hätte, sondern weil diese Zeit für sie etwas Besonderes geworden ist.
„Es ist Zeit nur für mich“, sagt sie.
Das klingt simpel, ist im Alltag aber gar nicht so selbstverständlich. Zwischen Arbeit, Familie, Verpflichtungen, Nachrichten, Terminen und Dingen, die noch schnell erledigt werden müssen, bleibt echte Zeit für sich selbst oft irgendwo liegen. Man merkt es manchmal erst, wenn man plötzlich auf einer Strecke unterwegs ist, ohne reden zu müssen, ohne Erwartungen zu erfüllen, ohne sich anzupassen.
Beim Mammutmarsch bedeutet allein unterwegs zu sein nicht, dass da keine Menschen sind. Im Gegenteil. „Dieses Gefühl der Gemeinschaft und der Zusammenhalt, der beim Mammutmarsch entsteht, ist auch dann da, wenn man alleine antritt“, sagt Mona. Da sind Gespräche mit Fremden, die nach ein paar Kilometern gar nicht mehr so fremd wirken. Da sind diese kurzen Begegnungen, die man nicht plant: ein gemeinsames Lachen über den nächsten Anstieg, ein ehrliches „Wie läuft’s?“, ein Pflaster, ein Riegel, ein paar Schritte nebeneinander.
Und dann gibt es wieder Abschnitte, in denen Mona nur mit sich selbst geht. Genau diese Balance ist es, die sie so mag: Austausch und Alleinsein. Gemeinschaft und Stille. Das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein und trotzdem ganz bei sich.
Dieses Familiengefühl, das am Start schon da ist
Mona beschreibt den Mammutmarsch als ein Heimkommen. Auch dann, wenn sie alleine am Start steht. Das mag für Außenstehende etwas übertrieben klingen. Schließlich trifft man sich nicht zu Kaffee und Kuchen, sondern um sehr lange zu gehen, freiwillig, mit Rucksack, oft bei Wetter, das sich nicht vorher mit der Komfortzone abgesprochen hat. Aber wer schon einmal dabei war, versteht vermutlich, was sie meint.
Es ist diese Atmosphäre lange vor dem Start. Menschen, die ihre Startnummern richten, nochmal die Schuhe binden, nervös lachen, sich fragen, ob sie genug Snacks dabeihaben, und gleichzeitig so tun, als sei alles absolut unter Kontrolle. Volunteers, die motivieren, helfen, erklären, anfeuern. Das Team, das diesen ganzen Rahmen schafft, in dem aus einer langen Strecke mehr wird als nur Kilometer.
„Die Aufregung der Neulinge, das Wiedersehen bekannter Gesichter, der Spirit des gesamten Teams und der Volunteers – all das macht den Mammutmarsch zu dem, was er ist“, teilt Mona mit uns.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Man kann alleine starten, ohne allein durch dieses Erlebnis zu müssen. Die Herde ist da. Nicht immer direkt neben einem, nicht immer im Gespräch, aber spürbar.
Was man unterwegs über sich lernt
Alleine zu gehen verändert die Strecke. Es gibt niemanden, der automatisch das Tempo vorgibt. Niemanden, mit dem man sich bei jedem Zweifel abstimmt oder dem man zuliebe schneller oder langsamer läuft. Das kann herausfordernd sein, aber auch befreiend.
Mona mag diese Freiheit. Die Vorfreude auf die Strecke, das Gefühl, selbst zu entscheiden, wann sie redet und wann nicht. Wann sie eine Pause macht, wann sie weitergeht, wann sie Musik hört, wann sie einfach nur die Umgebung aufnimmt.
Natürlich gibt es auch schwierige Momente. Ein Mammutmarsch wäre kein Mammutmarsch, wenn nicht irgendwann der Punkt käme, an dem die Beine schwer werden, der Kopf anfängt zu verhandeln und ein Verpflegungspunkt plötzlich nach sehr viel mehr klingt als nur nach einem Ort mit Essen und Getränken. Man freut sich über Dinge, die im Alltag kaum auffallen: warme Suppe, trockene Socken oder ein freundliches „Du siehst noch gut aus“. Aber genau in diesen Momenten merkt Mona, dass sie mehr schaffen kann, als sie sich oft zutraut. Nicht auf eine laute, dramatische Weise, sondern eher still. So, wie man nach einem langen Abschnitt merkt: Ich bin immer noch hier, ich gehe noch und es geht weiter.
Ein Mammut-Tattoo als Erinnerung

Letztes Jahr hat Mona beschlossen, diese Erfahrung sichtbar zu machen. Nicht nur auf Fotos, nicht nur in Erinnerungen, nicht nur in Finisher-Medaillen, die zuhause irgendwo liegen und manchmal wieder hervorgeholt werden. Sie ließ sich ein Mammut tätowieren.
Für sie ist es mehr als ein Motiv. Es erinnert sie daran, dass sie ihre Grenzen selbst setzt und den Mut hat, sie zu überschreiten. Es steht dafür, dass schwierige Momente vergehen. Dass Aufgeben nicht die erste Option sein muss. Dass man sich immer wieder neue Ziele setzen darf, auch wenn sie anderen vielleicht verrückt erscheinen.
Und es steht für die Gemeinschaft beim Mammutmarsch. Für dieses Gefühl, das auch dann bleibt, wenn man auf der Strecke gerade alleine unterwegs ist. Für die Menschen am Start, an den Verpflegungspunkten, im Ziel. Für die kurzen Gespräche, das gegenseitige Mutmachen, die stillen Kilometer und den Moment, in dem man unter dem Zielbogen ankommt und plötzlich alles, was unterwegs schwer war, einen anderen Platz bekommt.
Ja, man kann den Mammutmarsch alleine genießen
Wenn Mona heute gefragt wird, ob man sich alleine beim Mammutmarsch anmelden kann, ist ihre Antwort klar: Ja.
Nicht, weil jeder Moment leicht ist oder weil man unterwegs nie zweifelt. Auch nicht, weil Alleinstarten automatisch mutiger, besser oder besonderer wäre als gemeinsam zu gehen, sondern weil ein Mammutmarsch alleine eine eigene Qualität haben kann.
Für Mona bedeutet es, in die Stille zu gehen und trotzdem Teil eines großen Ganzen zu sein. Die eigenen Grenzen zu erkennen und manchmal zu verschieben. Sich selbst Zeit zu schenken. Zu merken, dass man nicht immer warten muss, bis jemand mitkommt, um etwas zu erleben, das einem wichtig ist.
Egal ob alleine oder in Begleitung: Ein Mammutmarsch bleibt eine besondere Reise. Aber wer alleine startet, entdeckt vielleicht noch etwas anderes auf der Strecke. Nicht nur, wie weit die eigenen Beine tragen. Sondern auch, wie gut es tun kann, mit sich selbst unterwegs zu sein.
Und vielleicht ist das die schönste Antwort auf die Frage vom Anfang. Ja, man kann alleine starten. Mit Kribbeln vor dem Start, müden Beinen unterwegs, Menschen, die plötzlich kurz zur Herde werden, und diesem einen Gefühl im Ziel: Ich bin losgegangen, für mich – und ich bin angekommen.
Wenn du also schon länger überlegst, dich für einen Mammutmarsch anzumelden, aber niemand in deinem Umfeld gerade mitzieht: Vielleicht ist genau das kein Grund, es nicht zu tun. Vielleicht ist es der Anfang deiner eigenen Geschichte.
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