Kalt, dunkel, müde: So kommt ihr durch die Nacht

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Für Viele ist die nächtliche Etappe mit Abstand die härteste. Es ist dunkel und womöglich sehr kalt, wir sind schon etliche Stunden auf den Beinen und eigentlich wären wir schon längst im Bett. Diese verdammte Dunkelheit macht nicht nur müde, sondern löst je nach Streckenabschnitt vielleicht auch ein mulmiges Gefühl in uns aus. Wann ist man schon nachts im stockdunklen Wald unterwegs? Außerdem gibt es nachts einfach viel weniger zu sehen. Das bedeutet: Ablenkung gleich Null. 

Als wäre der Mammutmarsch nicht schon hart genug, bringt die Nacht also nochmal ganz neue Herausforderungen mit sich. Und selbst beim Little Mammut kommt man je nach Jahreszeit kaum um einige Stunden in der Dunkelheit herum. 

Ich persönlich muss nachts immer richtig kämpfen. Für mich ist der Sonnenaufgang wie eine Art Erlösung, ganz nach dem Motto „Wenn ich es durch die Nacht schaffe, schaffe ich es auch ins Ziel.” Blöd nur, dass ich mich in diesem Jahr vollkommen verkalkuliert habe. Nachdem ich letztes Jahr die Sonne über der vernebelten Ruhr aufgehen sah, habe ich mich so sehr darauf gefreut, dieses atemberaubende Naturspektakel noch einmal zu erleben und habe mental genau auf diesen Streckenabschnitt hingearbeitet. “Wenn du an der Ruhr bist, geht die Sonne auf.” Fail: Ich hatte weder bedacht, dass ich durch die coronabedingten Startgruppen eine Stunde früher losgezogen war als im Vorjahr, noch hatte ich berücksichtigt, dass ich viel, viel schneller unterwegs war. Als endlich die Sonne aufging, war ich schon fast im Ziel. 

Jetzt, im Nachhinein denke ich mir: Anstatt mich gedanklich auf den Moment festzunageln, in dem die verdammte Nacht endlich vorbei ist, hätte ich mir mal besser eine Strategie überlegt. Eine Strategie, um Kilometer 40 bis 80 ein bisschen weniger zu verteufeln und ein bisschen mehr zu genießen und wertzuschätzen. 

Ich habe EUCH nach euren persönlichen Tipps gefragt, um gut durch die Nacht zu kommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass einige von euch überhaupt kein Problem mit der nächtlichen Etappe haben – ganz im Gegenteil: Was für Menschen wie mich der blanke Horror ist, lässt die Nachteulen unter euch scheinbar erst so richtig aufblühen. Für alle, denen es wie mir geht, habe ich mal eure wichtigsten Erkenntnisse und Anregungen zusammengefasst.

1. Sei vorbereitet!

Train hard, hike easy: Wenn du weißt, was auf dich zukommt, verliert die Nacht vielleicht ein bisschen ihren Schrecken. Deine Vorbereitungsmärsche können genauso gut nachts stattfinden. Und da man aktuell aufgrund von Corona sowieso kein Halloween feiern kann: So eine Nachtwanderung wäre doch eine coole Alternative. Schnapp dir deinen Wanderbuddy, eine Thermoskanne mit Kaffee und deine Stirnlampe, und los geht’s. 

2. Lerne die Nacht wertschätzen

Du kannst nicht negativ denken und Positives erwarten. Die Dunkelheit muss nicht zwingend bedrohlich, ermüdend, langweilig oder anstrengend sein. Wenn wir uns darauf einlassen, kann diese Dämmerungs-Atmosphäre durchaus reizvoll sein. Die Welt kommt langsam zur Ruhe, und genau das beschreiben viele von euch als faszinierend. 

“Die Nacht hat ihren eigenen Charme. Die Sinne verlagern sich ein wenig vom Auge zum Ohr und es ist wahnsinnig interessant, jedes Knistern und Knacken mitzubekommen. Wenn es richtig dunkel ist, kann man auch toll den Sternenhimmel beobachten. Das ist so schön, da kommt jegliche Motivation von selbst.” 

Diese Worte stammen vom Mammutteilnehmer Markus Birke, und diese Worte klingen stark danach, dass wir beim nächsten Mal die Kopfhörer in der Tasche lassen und der Natur lauschen sollten! Einfach mal keine künstlich erzeugten Geräusche, keine Ablenkung, nur du und die Natur. Das Knacken der Äste, das Scharren der Igel, das Rufen der Eulen: Vielleicht können wir die Nacht auf diese Weise als besonderes Erlebnis betrachten, und weniger als Quälerei. 

3. Lenke dich ab

Ganz ehrlich: So eine Nacht ist lang. So bewundernswert es auch ist, dass einige von euch wie im Flow einen Fuß vor den anderen setzen und einen beinahe meditativen Zustand erreichen können, so schwer fällt es einigen (mich inbegriffen), beim Wandern einfach “nichts” zu tun. Zum Glück braucht man kein Tageslicht, um sich zu beschäftigen. Mit euren Ideen kann die Nacht vielleicht sogar ganz unterhaltsam werden. 

Das hier sind eure Top 4 Ablenkungstipps:

  • Kopfhörer auf: Von “trashiger Musik” über Podcasts bis hin zu Kinderhörbüchern wie TKKG war alles dabei. Einer schlug sogar Krimihörspiele vor. Das wäre mir persönlich im dunklen Wald aber definitiv zu spooky. 
  • Singen: Das lenkt nicht nur ab, macht Spaß und gute Laune, sondern hilft auch gegen die Angst! Das ist sogar in mehreren Studien nachgewiesen worden. Denn wenn man singt, produziert der Körper Glückshormone wie Serotonin und Oxytocin. Stresshormone, die auch für Gefühle wie Angst verantwortlich sind, werden hingegen gehemmt. 
  • Spiele spielen: Ob in der Gruppe oder allein, es gibt zahlreiche Gedankenspiele, die euch eine ganze Weile auf Trab halten. Ein paar Ideen: Kopfrechnen (damit wäre ich zumindest sehr, sehr lange beschäftigt…), “Stadt, Land, Fluss”, Reimen, “Ich höre was, was du nicht hörst”… Mehr Spiele und Strategien zur Ablenkung findet ihr hier
  • Gesellschaft und gute Gespräche: Wenn du dich im Dunkeln nicht sicher fühlst, ist es sinnvoll, dir vor Einbruch der Dunkelheit einen Laufbuddy zu suchen, der möglichst in einem ähnlichen Tempo unterwegs ist. Aber auch, wenn dir die Nacht keine Angst einjagt, kann ein gutes Gespräch über Gott und die Welt ein guter Zeitvertreib sein. Ich selbst habe beim Mammutmarsch schon einige wirklich interessante Menschen kennengelernt und bereichernde Unterhaltungen geführt. Und wer weiß: Vielleicht bleibt es ja nicht bei diesem einen nächtlichen Plausch. 

4. Belohne dich

Was gibt es Besseres als die Aussicht auf deine Lieblingssüßigkeiten, die dich für die überstandene Nacht entschädigen? Eine Belohnung muss aber nicht unbedingt in Form von Schokolade, Gummibärchen und Co. daherkommen. Ich will euch ja jetzt nicht neidisch machen, aber meine supertolle Mitbewohnerin hat mir ein ganz persönliches Motivationspaket vorbereitet und mit an den Start gegeben: Alle 20 Kilometer durfte ich kleine Umschläge mit Nachrichten öffnen, die mich mehr motiviert haben als jeder Schokoriegel es hätte tun können. An dieser Stelle: Danke, Luca! 

Vielleicht könnt ihr diese süße Aktion ja einfach mal ganz subtil vor euren Liebsten erwähnen und dürft euch beim nächsten Mammutmarsch auch über ein persönliches Motivationspaket freuen. 

5. Koffein und Wärme gegen die Müdigkeit

Den eigenen Biorhythmus auszutricksen ist gar nicht mal so leicht. Je weniger Lichtreize auf uns einwirken, desto mehr richtet sich der Körper nach seiner “inneren Uhr”. Der Gedanke an das gemütliche, warme Bett tut schon fast weh, wenn es draußen immer kälter und dunkler wird. Kein Wunder, dass viele an den Verpflegungspunkten zuallererst den Kaffeestand ansteuern. In wie viele verzweifelte, nach Koffein dürstende Augen das Helferteam wohl schon blicken musste… 

Wer keinen Kaffee mag, kann natürlich auch auf Energydrinks zurückgreifen. Und habt ihr mal Scho-Ka-Kola probiert? Die legendäre Koffeinschokolade gibt es schon seit 1935! Im zweiten Weltkrieg versorgte man die Soldaten mit der Süßigkeit, die deshalb auch den Namen “Panzerschokolade” trug. 

6. Beiß’ die Zähne zusammen

“Wir sind nachts nicht motiviert. Wir machen einfach weil umkehren keine Option ist.” – Thorsten Just, ein Mammutmarsch-Teilnehmer

Manchmal hilft die beste Ablenkung, das interessanteste Gespräch und die leckerste Belohnung nicht. Dann heißt es einfach nur noch: Augen zu und durch, ganz nach dem Motto: “The only way out is through.” 

Denn was bleibt dir anderes übrig? Du bist mitten in der Nacht mitten im Wald, womöglich noch allein, der nächste Verpflegungspunkt ist noch 10 Kilometer weit weg und an ein Taxi ist auf diesem Streckenprofil auch nicht zu denken. Jetzt mal ganz ehrlich: In dieser Situation hast du eigentlich keine Wahl. Und wenn du keine Wahl hast, geht es irgendwie weiter. Es klingt dramatisch, aber genau diese Dramatik kannst du dir zunutze machen. In deinem Kopf kannst du ruhig übertreiben, denn hat nun mal diesen Überlebenstrieb, der ungeahnte Kräfte freisetzen kann. 

Es war eine Art von Überlebensmodus, der in mir eingesetzt hat und wenn ich nicht weiterlaufe, dann bin ich alleine komplett verloren und niemand findet mich und niemand kann/wird mir hier helfen! Das Ganze hat wahrscheinlich so viel Adrenalin in mir freigesetzt, dass überhaupt niemals der Gedanke kam, aufzugeben.” – Markus Dingens, ein Mammutmarsch-Teilnehmer

Ein bisschen Quälerei gehört wohl einfach dazu. Je steiniger der Weg, desto stolzer können wir am Ende auf uns sein. Bei allem Zähnezusammenbeißen, bei aller Motivation und bei aller Ablenkung sollten wir aber trotzdem auf unseren Körper hören. Manchmal ist ein Abbruch keine Aufgabe, sondern das einzig Richtige. Eine ernsthafte Verletzung von Erschöpfung zu unterscheiden, ist manchmal gar nicht so einfach. Umso wichtiger ist es, dass wir ehrlich zu uns selbst sind. 

Wenn du am Ende behaupten kannst, dass du alles gegeben hast, dann hast du sowieso gewonnen! 

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1 Kommentar

  1. Hallo meine Lieben!
    Schöner Artikel, aber einen kleinen Klugscheiss kann ich mir jetzt nicht verkneifen.
    Mit “Panzerschokolade” machen wir uns strafbar! Das, was im Zweiten Weltkrieg unter diesem Namen einging, war mitnichten Scho-Ka-Cola, sondern ein Präparat namens “Pervitin” – heute besser bekannt als “Crystal Meth”.
    LG Julia

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