„Ich war immer das schwarze Schaf“ – Wie der Mammutmarsch neue Kraft gegeben hat

Wer hatte vor seinem ersten Mammutmarsch nicht auch Angst? Angst zu scheitern. Angst, nicht anzukommen. Angst vor den Kilometern, den Schmerzen oder den Menschenmassen.

Bei mir ging diese Angst noch viel tiefer.

Ich war nie das typische Mädchen, das andere in mir sehen wollten. Schon früh habe ich gemerkt, dass ich mich als Mann fühle. Irgendwann habe ich den Mut gefunden, mich als Transgender zu outen. Und eigentlich sollte ein Outing befreiend sein, doch für mich begann danach die schwerste Zeit meines Lebens.

Als ich dachte, keinen Platz mehr in dieser Welt zu haben

Nach meinem Outing wurde ich zum Mobbingopfer. Ich habe erlebt, wie grausam Menschen sein können, wenn man nicht in ihr Bild passt. Daraus entstanden schwere Depressionen. Dazu kamen chronische Erkrankungen, eine posttraumatische Belastungsstörung, Burnout, Panikattacken und Angststörungen.

Mein Leben war wirklich ein Kampf. Ich war immer das schwarze Schaf, immer, überall. Einfach, weil ich anders war. Irgendwann verliert man dadurch das Vertrauen – nicht nur in andere Menschen, sondern auch in sich selbst.

Und dann meinte es das Leben plötzlich doch gut mit mir.

Durch Zufall bin ich bei Facebook über Mammutmarsch gestolpert. Eigentlich wollte ich nur kurz schauen. Ein bisschen „schnüffeln“. Aber dann sah ich den Mammutmarsch in Duisburg. Bei 55 Kilometer stutze ich jedoch. Allein die Zahl hat mich völlig überfordert. Und trotzdem ließ mich dieser Gedanke nicht mehr los.

Der Kampf vor dem Start

Sollte ich das wirklich machen? Sofort kamen die Zweifel.

Was ist, wenn ich gar nicht erst in Duisburg ankomme?
Was ist, wenn ich den Landschaftspark nicht finde?
Halte ich die Menschenmassen überhaupt aus?
Was ist, wenn ich eine Panikattacke bekomme?
Kann ich sowas überhaupt schaffen?

Diese Fragen haben mich fast aufgefressen. Und dann kam plötzlich der Tag. Ehrlich gesagt: Ich stand kurz vorm Kollaps. Meine Nerven lagen vollkommen blank. Doch als sich meine Startgruppe langsam in Bewegung setzte, gab es kein Zurück mehr. Was dann passierte, ist schwer in Worte zu fassen: Das war einer der besten Tage seit Langem!

Warum dieser Mammutmarsch alles verändert hat

Dieser Marsch hat etwas in mir verändert. Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich erlebt, wie schön es sein kann, unter Menschen zu sein. Gespräche zu führen, gemeinsam zu kämpfen, gemeinsam weiterzugehen. Und das ganz ohne Angst, Panik oder das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Der Mammutmarsch hat mir etwas zurückgegeben, das ich fast verloren hatte: Vertrauen und Selbstbewusstsein. Denn mit jedem Kilometer habe ich gemerkt: Ich bin stärker, als ich dachte. Diese Herausforderung hat mir so viel Kraft gegeben, dass ich mir danach sogar ein Mammut tätowieren ließ. So habe ich immer, wenn es mir nicht gut geht meinen Mutmacher, Kraftgeber, Beschützer und Freund dabei.

„Ich bin infiziert“

Nach meinem ersten Mammutmarsch war klar: Ich bin infiziert. Der nächste Mammutmarsch in Dortmund war direkt gesetzt. Für 2025 hatte ich auch direkt Ruhrgebiet und Nürnberg gebucht.

Hätte mir früher jemand gesagt, dass ich irgendwann freiwillig mit tausenden Menschen 55 Kilometer laufe, hätte ich wahrscheinlich nur den Kopf geschüttelt. Heute weiß ich: Genau solche Herausforderungen können Leben verändern. Nicht, weil plötzlich alles perfekt wird, sondern weil man merkt, dass man die Wahl hat, weiterzugehen. Und manchmal reicht genau das, um wieder Hoffnung zu finden.

An die gesamte Mammut-Herde: Danke. Wirklich! Ihr habt mir gezeigt, dass ich dazugehören darf und dass Anderssein keine Schwäche ist. 🦣💛 Seitdem starte ich viel entspannter in meinen Alltag. Kaum zu glauben – aber es ist tatsächlich so.

 

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