Geheimtipps NRW: 12 besondere Ausflugsziele abseits der Klassiker
Streng genommen gibt es mit Geheimtipps in NRW ein kleines Problem: Sobald sie in einem Artikel wie diesem auftauchen, sind sie nicht mehr wirklich geheim.
Trotzdem gibt es zwischen Niederrhein, Ruhrgebiet, Sauerland und Eifel jede Menge Orte, die bei der klassischen Suche nach Ausflugszielen nicht sofort neben Kölner Dom, Drachenfels und Zeche Zollverein auftauchen. Orte, für die sich ein Umweg lohnt – und bei denen du im besten Fall gleich ein paar Kilometer sammeln kannst.
Wir haben deshalb zwölf besondere Ausflugsziele in NRW herausgesucht: Mammutbäume, wilde Tiere, Höhlen, leuchtende Halden, ungewöhnliche Wanderwege und Naturphänomene, für die du nicht erst quer durch Europa reisen musst.
Welcher NRW-Geheimtipp passt zu dir?
| Du hast Lust auf … | Dann schau dir an … |
| außergewöhnlichen Wald | Sequoiafarm Kaldenkirchen |
| Industriekultur & Sonnenuntergang | Halde Rheinpreußen |
| Felsen & Aussicht | Bruchhauser Steine |
| Abenteuer unter der Erde | Kluterthöhle |
| Wasser & Ruhe | Neyetalsperre |
| Wanderung mit ungewöhnlicher Geschichte | Werwolf-Wanderweg |
| wilde Tiere | Wisent-Wildnis Wittgenstein |
| Natur & Eiszeit | Wildgehege Neandertal |
| Heide, Wiesen & alte Kulturlandschaft | Dingdener Heide |
| Blütenmeer im Frühling | Narzissenroute |
| Höhenmeter im Ruhrgebiet | Halde Haniel |
| ungewöhnliche Architektur | Slinky Springs to Fame |
1. Sequoiafarm Kaldenkirchen: Mammutbäume am Niederrhein

Wir geben zu: Bei einem Ort voller Mammutbäume ist unsere Aufmerksamkeit relativ schnell geweckt.
Die Sequoiafarm bei Nettetal-Kaldenkirchen liegt mitten im Grenzwald und beherbergt neben Berg-, Küsten- und Urweltmammutbäumen Hunderte weitere seltene Gehölzarten. Auf dem Gelände begann außerdem die erste Mammutbaum-Anzucht Europas. Das Arboretum umfasst mehr als 35.000 Quadratmeter.
Allein die Farm ist eher ein entspannter Ausflug als ein ausgewachsener Wandertag. Spannend wird es, wenn du den Besuch mit einer Runde durch den Kaldenkirchener Grenzwald verbindest.
Wichtig: Die Sequoiafarm ist nicht jeden Tag frei zugänglich, sondern hat saisonale Besuchszeiten. Vor der Anreise deshalb unbedingt aktuell prüfen, ob geöffnet ist.
Mammut-Faktor: Allein wegen des Namens eigentlich Pflichtprogramm. Die Kilometer musst du dir allerdings im umliegenden Grenzwald selbst dazu addieren.
2. Das Geleucht in Moers: ein Gipfel mit Grubenlampe
Bergsteigen am Niederrhein klingt zunächst ambitioniert. Die Halde Rheinpreußen beweist, dass dafür nicht zwingend ein natürlich entstandener Berg nötig ist.
Oben steht „Das Geleucht“, eine riesige rote Grubenlampe und Erinnerung an die Bergbaugeschichte der Region. Besonders spannend wird der Ort nach Sonnenuntergang, wenn die Landmarke rot leuchtet und du über Moers, Duisburg und Teile des Ruhrgebiets schauen kannst.
Der Aufstieg ist überschaubar, aber spürbar. Direkt in der Umgebung liegen weitere Wege, sodass du aus dem kurzen Gipfelbesuch problemlos eine längere Runde machen kannst. Nimm für den Rückweg im Dunkeln am besten eine Lampe mit. Das Handy funktioniert zur Not, aber wer schon einmal versucht hat, mit fünf Prozent Akku gleichzeitig zu navigieren und den Weg auszuleuchten, kennt die Schwächen dieses Plans.
Mammut-Faktor: Perfekt für eine kleine Nachtwanderung und ein paar Höhenmeter. Besonders passend, wenn du irgendwann mit einem Nachtmammut liebäugelst.
3. Bruchhauser Steine: NRW kann auch Felsen
Vier mächtige Felsen ragen bei Olsberg aus dem Sauerland: Bornstein, Ravenstein, Goldstein und Feldstein. Die bis zu 92 Meter hohen Bruchhauser Steine sind das erste Nationale Naturmonument Nordrhein-Westfalens.
Einen der Felsen, den Feldstein, kannst du über eine in den Fels gearbeitete Treppe besteigen. Oben wartet der Blick über das Sauerland – vorausgesetzt, Wetter und Sicht spielen mit. Das Gebiet lässt sich außerdem hervorragend in längere Wanderungen einbauen; auch der Rothaarsteig führt hier vorbei.
Beachte: Für den Zugang zum geschützten Gebiet gelten Öffnungszeiten und Eintrittsregelungen. Vorher nachsehen lohnt sich also.
Mammut-Faktor: Hier zählen nicht nur Kilometer. Höhenmeter und steilere Passagen machen aus einer vergleichsweise kurzen Tour zu einer gelungenen Trainingseinheit.
4. Kluterthöhle: Wandern funktioniert auch unterirdisch
Wenn dir Waldwege irgendwann zu gewöhnlich werden, kannst du in Ennepetal einfach unter die Erde verschwinden.
Die Kluterthöhle entstand in einem rund 385 Millionen Jahre alten ehemaligen Korallenriff und besitzt ein weit verzweigtes Gangsystem. Neben klassischen Führungen gibt es Touren, bei denen du abseits der ausgebauten Wege kriechst, kletterst und teilweise durch enge, dunkle Passagen unterwegs bist.
Wer es ruhiger angehen möchte, kann mit einer normalen Führung starten. Für die actionreicheren Varianten solltest du dagegen weder deine empfindlichste Outdoorhose noch deine Abneigung gegen enge Räume mitbringen. Beachte, dass du eine Führung in der Regel vorher buchen musst.
Mammut-Faktor: Die Strecke selbst ist kurz. Für Kopf, Trittsicherheit und die Erkenntnis, dass „draußen unterwegs sein“ nicht immer Himmel über dem Kopf bedeutet, gibt es trotzdem Punkte.
5. Neyetalsperre: elf Kilometer Wasser und Wald
Talsperren gibt es in NRW einige. Die Neyetalsperre bei Wipperfürth gehört zu den ruhigeren Kandidaten.
Der etwa elf Kilometer lange Rundweg führt überwiegend über gut ausgebaute Wege durch Wald und immer wieder direkt am Wasser entlang. Das Ufer ist weitgehend unbebaut; weil die Talsperre Teil eines Naturschutzgebiets ist, sind Baden und Wassersport nicht erlaubt. Du kommst nicht wegen Strandbar und SUP-Verleih hierher, sondern zum Gehen.
Elf Kilometer sind natürlich noch kein Mammutmarsch-Trainingstag, aber niemand verbietet dir, die Tour zu verlängern.
Wenn Wasser für dich grundsätzlich zum perfekten Ausflug dazugehört, findest du in unserem Guide zu den schönsten Seen in NRW übrigens noch mehr Ideen – Bademöglichkeiten inklusive.
Mammut-Faktor: Ideal für eine entspannte Trainingsrunde oder einen Tag, an dem die Beine Kilometer brauchen, aber keine brutalen Anstiege.
6. Werwolf-Wanderweg: eine ziemlich ungewöhnliche Geschichtsstunde
Historische Wanderwege handeln normalerweise von Burgen, Römern oder alten Handelswegen. In Bedburg sieht die Sache etwas anders aus. Der Werwolf-Wanderweg beschäftigt sich mit der Geschichte von Peter Stubbe, dem sogenannten Werwolf von Epprath. Auf sieben Stationen führt die Route von Alt-Kaster über Kasterer Höhe und Kasterer See bis nach Bedburg und zurück. Die komplette Runde besteht aus zwei Abschnitten von jeweils ungefähr fünf Kilometern. Dabei bekommst du nicht nur eine ziemlich düstere Geschichte, sondern auch Altstadt, Erft, See und Naherholungsgebiet.
Mit zehn Kilometern bleibt noch Luft nach oben. Wer mehr Strecke möchte, kann die Umgebung weiter erkunden oder den Ausflug bewusst als kurze Tour genießen. Nicht jeder Samstag muss mit 30 Kilometern eskalieren.
Mammut-Faktor: Weniger Distanz, dafür einer der ungewöhnlichsten Gründe, in NRW zehn Kilometer zu Fuß zu gehen.
7. Wisent-Wildnis Wittgenstein: den größten Landsäugern Europas ziemlich nah

Am Rothaarsteig bei Bad Berleburg leben Wisente in einem großen naturnahen Besucherareal. Auf einem etwa drei Kilometer langen Wanderpfad kannst du versuchen, die Tiere zu entdecken. Der Weg ist naturbelassen und dauert laut Betreiber ungefähr zwei bis drei Stunden. Eine Garantie auf eine Wisent-Sichtung gibt es nicht – schließlich handelt es sich nicht um Tiere, die für dein Foto pünktlich an einem Aussichtspunkt erscheinen.
Nach einer längeren Pause ist die Wisent-Wildnis seit Juni 2026 wieder für Besucher geöffnet; die Öffnungszeiten unterscheiden sich je nach Saison.
Noch ein Tipp: Direkt vor der Tür liegt der Rothaarsteig. Wenn dir drei Kilometer zu wenig sind, ist die Lösung also ziemlich offensichtlich.
Mammut-Faktor: Erst Wisente suchen, dann Kilometer auf dem Rothaarsteig sammeln. Klingt nach einem vernünftigen Sauerland-Tag.
8. Eiszeitliches Wildgehege Neandertal: Ausflug mit Zeitreise
Im Neandertal findest du nicht nur das bekannte Museum. Direkt daneben liegt ein weitläufiges Wildgehege mit Wisenten sowie Rückzüchtungen, die an Auerochsen und Tarpane erinnern.
Ein kurzer Rundweg dauert ungefähr eine Stunde. Wer mehr Bewegung möchte, kann eine größere Runde über teils steilere Wege wählen und anschließend direkt auf weiteren Wanderwegen im Neandertal weitergehen. Das Wildgehege selbst ist kostenfrei und ganzjährig zugänglich.
Besonders interessant ist die Kombination mit dem neanderland STEIG, der insgesamt fast 240 Kilometer durch den Kreis Mettmann führt. Damit wird aus dem Familienausflug ziemlich schnell ein Trainingswochenende.
Mammut-Faktor: Sehr flexibel. Eine Stunde Tiere schauen oder anschließend noch 20 Kilometer dranhängen – beides funktioniert.
9. Dingdener Heide: ein Stück Kulturlandschaft am Niederrhein
Die Büngerner/Dingdener Heide bei Hamminkeln ist kein spektakulärer Ort im klassischen Sinne. Genau das macht sie interessant.
Wälder, Heideflächen, Wiesen und Äcker wechseln sich ab, dazwischen stehen alte Hudebäume, die noch von früheren Formen der Landschaftsnutzung erzählen. Das Gebiet gehört zu den großen zusammenhängenden Grünflächen Nordrhein-Westfalens und lässt sich zu Fuß oder mit dem Rad erkunden.
Wer beim Wandern keine Aussichtsplattform und keinen „Instagram Spot“ alle drei Kilometer braucht, findet hier vor allem Ruhe und viel Landschaft. Nebenbei beschäftigt sich ein Naturschutzprojekt in der Dingdener Heide sogar mit dem Wert natürlicher Dunkelheit und den Auswirkungen von Lichtverschmutzung.
Mammut-Faktor: Gute Gegend für gleichmäßige, ruhige Kilometer. Genau das Training, das zunächst weniger spektakulär aussieht, aber für lange Distanzen ziemlich wertvoll ist.
10. Narzissenroute bei Monschau: der Geheimtipp mit Ablaufdatum
Manche NRW-Geheimtipps funktionieren das ganze Jahr. Dieser hier nicht.
Im Frühjahr verwandeln wilde Narzissen Teile des Perlenbach- und Fuhrtsbachtals bei Monschau in gelbe Blütenteppiche. Verschiedene Wanderwege führen durch das Gebiet; die große Narzissenroute ist knapp 15 Kilometer lang und bringt rund 240 Höhenmeter mit.
Die Hauptblüte liegt normalerweise im Frühjahr, wobei der genaue Zeitpunkt natürlich vom Wetter abhängt. Wer extra wegen der Blüten anreist, sollte deshalb vorher den aktuellen Stand prüfen.
Mammut-Faktor: Knapp 15 Kilometer und ein paar Höhenmeter – eine schöne Frühlingsrunde, bei der ausnahmsweise nicht nur die Kilometer zählen.
11. Halde Haniel: überraschend viele Höhenmeter für Bottrop
Wer das Ruhrgebiet nur flach kennt, war noch nicht auf seinen Halden. Die Halde Haniel in Bottrop ragt deutlich über ihre Umgebung hinaus. Nach oben führt unter anderem ein Kreuzweg mit 15 Stationen. Auf dem Gipfelplateau stehen die farbigen Stelen des baskischen Künstlers Agustín Ibarrola; sie wurden nach Sanierungsarbeiten im Juni 2026 wieder aufgebaut.
Mammut-Faktor: Wiederholte Haldenaufstiege sind vermutlich nicht jedermanns Definition von Spaß, einen Trainingseffekt haben sie aber durchaus.
12. Slinky Springs to Fame: eine Brücke wie eine Spiralfeder
Zum Abschluss wird es noch einmal etwas schräger. Slinky Springs to Fame verbindet im Oberhausener Kaisergarten zwei Seiten des Rhein-Herne-Kanals. Die Fußgängerbrücke des Künstlers Tobias Rehberger ist mehr als 400 Meter lang und wird von fast 500 großen Spiralen eingerahmt. Nach Einbruch der Dunkelheit wird sie beleuchtet.
Die Brücke allein beschäftigt dich natürlich nicht den ganzen Tag. Sie lässt sich aber gut mit einem Spaziergang durch den Kaisergarten, am Rhein-Herne-Kanal oder mit einer längeren Ruhrgebietsrunde kombinieren.
Mammut-Faktor: Die 400 Meter Brücke sind schnell geschafft. Was du daraus machst, liegt an dir.
Und gerade darin liegt für uns der Reiz vieler NRW-Geheimtipps: Ein einzelner Ort muss nicht fünf Stunden Programm liefern. Manchmal reicht er als ziemlich guter Grund, eine neue Gegend zu entdecken.
Geheimtipps in NRW: Nicht immer weit weg suchen
Es ist erstaunlich leicht, besondere Orte nur mit Urlaub zu verbinden. Für schöne Felsen muss man in die Alpen, für ungewöhnliche Wälder nach Nordamerika und für Wildnis möglichst weit weg. Muss man nicht.
NRW hat Mammutbäume am Niederrhein, alte Korallenriffe unter Ennepetal, Felsformationen im Sauerland, Wisente, Blütenwiesen und Berge, die streng genommen aus Bergbau Abraum bestehen und trotzdem ziemlich gute Aussichten liefern. Nicht jeder dieser Orte ist völlig unbekannt. Aber genau darum geht es auch nicht. Ein guter Geheimtipp ist für uns eher ein Ort, bei dem du hinterher denkst: Warum war ich hier eigentlich noch nie?
Wenn du bei deinen Ausflügen vor allem möglichst viele Kilometer sammeln möchtest, findest du in unserem Guide zum Wandern in NRW weitere Touren zwischen Eifel, Sauerland, Siebengebirge und Ruhrgebiet. Für Ausflüge am Wasser lohnt sich außerdem unser Überblick zu den Seen in NRW. Rund um Köln haben wir eigene Wandertipps für Köln und Umgebung gesammelt, und wenn du direkt mehrere Etappen suchst, findest du bei uns einen ausführlichen Guide zum Rheinsteig wandern.
Und wenn aus „Wir schauen uns am Wochenende mal einen neuen Ort an“ irgendwann „Wie weit könnte ich hier eigentlich gehen?“ wird, kennst du den nächsten Schritt vermutlich schon.
Dann wird aus dem Ausflug vielleicht dein nächstes Mammutmarsch-Abenteuer.
FAQ: Geheimtipps in NRW
Welche Geheimtipps in NRW eignen sich für einen Tagesausflug?
Für einen unkomplizierten Tagesausflug eignen sich beispielsweise die Sequoiafarm Kaldenkirchen, die Neyetalsperre, die Halde Rheinpreußen oder das Neandertal. Wer mehr Zeit und längere Anfahrt einplanen möchte, kann die Bruchhauser Steine, Wisent-Wildnis und Narzissenroute mit weiteren Wanderungen in der Umgebung verbinden.
Welche außergewöhnlichen Naturorte gibt es in NRW?
Zu den besonderen Naturzielen gehören unter anderem die Bruchhauser Steine im Sauerland, die Narzissenwiesen bei Monschau, die Dingdener Heide und die Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald. Auch das Neandertal und die Wisent-Wildnis Wittgenstein verbinden Natur mit ungewöhnlichen Tierbeobachtungen.
Welche NRW-Geheimtipps kosten keinen Eintritt?
Viele Naturziele und Halden sind grundsätzlich frei zugänglich, beispielsweise die Neyetalsperre, das Eiszeitliche Wildgehege Neandertal oder verschiedene Halden. Bei anderen Zielen wie Bruchhauser Steinen, Sequoiafarm, Wisent-Wildnis oder Kluterthöhle gelten besondere Öffnungs- beziehungsweise Eintrittsregelungen. Prüfe die aktuellen Informationen deshalb vor der Anreise.
Welche Geheimtipps in NRW eignen sich zum Wandern?
Besonders gut lassen sich Bruchhauser Steine, Neyetalsperre, Narzissenroute, Neandertal und die Umgebung der Wisent-Wildnis mit längeren Wanderungen verbinden. Im Ruhrgebiet eignen sich außerdem Halden hervorragend, wenn du eine Tour um zusätzliche Aussichtspunkte und Höhenmeter erweitern möchtest.
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