Corona ist tough, wir aber auch!

WE ARE BACK! Nach Monaten voller Höhen und Tiefen, Absagen, Rückschlägen und einem alternativen Hike-Alone, konnte am 14. und 15.08.2020 der erste richtige Mammutmarsch seit Beginn der Corona-Pandemie stattfinden. Zwar in Brandenburg statt in Berlin, im August statt im Mai, unter besonderen Auflagen und ohne die legendäre Zielumarmung – aber er hat stattgefunden. 

Start war in Potsdam, von da ging es nach Norden hoch bis zum Schloss Marquardt, weiter bis Elstal, dann entlang der Döberitzer Heide und irgendwann wieder runter Richtung Potsdam, vorbei an Groß Glienicke, Sacrow und Babelsberg. Bei 30 Grad im Schatten haben rund 1000 Teilnehmer*Innen den 100 Kilometern den Kampf angesagt. 

Und die hatten es in sich. Wir ziehen den Hut vor allen Teilnehmern, ganz egal, ob Finisher oder nicht! Laut Bob hatte dieses Event wohl das Zeug dazu, zum heftigsten Mammutmarsch aller Zeiten gekürt zu werden:

Sorry für die Brennnesselwälder und zugewachsenen Büsche. Die Döberitzer Heide hat im August noch drei Monate länger Zeit, um schönen weichen Pulversand zu bilden. Ich denke ihr habt, gepaart mit der Hitze, den härtesten Mammutmarsch ever erlebt. Auch einige “Profis” sind verzweifelt und mussten abbrechen. Das sagt eine Menge aus.

Wir hoffen ihr hattet trotzdem Spaß und habt genug gelitten, um das Erlebte als das einzuordnen, was es immer sein wird. Mit die krasseste Scheiße, die ihr jemals machen werdet!

„Krasse Scheiße“ war auch die Organisation, sozusagen der Mammutmarsch vor dem Mammutmarsch, gut vergleichbar mit einer Fightnight: Unzählige Kämpfe, die mal mit einem Sieg, mal mit einem vorzeitigen K.O. endeten.

Aber macht nicht gerade das den Mammutmarsch aus? 

Ja! Die letzten Monate waren geprägt von Frust und Resignation. Wir mussten ein Event nach dem anderen absagen, enttäuschte Teilnehmer vertrösten und immer wieder mit neuen Plänen und Ideen um die Ecke kommen. (Hierzu haben wir übrigens eine eigene Podcast-Folge gemacht. Hör mal rein, wenn du noch mehr über unsere Odyssee der letzten Monate erfahren willst.)  Und jetzt, nach all dieser Zeit, können wir zurecht stolz auf uns sein: Corona, uns kriegst du nicht klein! Ganz im Gegenteil. Wir und vor allem ihr habt es geschafft, trotz Corona einen vollwertigen und einfach großartigen Mammutmarsch auf die Beine zu stellen. Und das, obwohl es lange Zeit nicht danach aussah. Jetzt, in diesen schwierigen Zeiten, können wir Mammuts besser denn je beweisen, wie sehr wir hinter unseren Prinzipien stehen. 

Aufgeben, wenn es hart auf hart kommt? Das ist keine Option!

Mammutmarsch zu Corona-Zeiten: Das war anders

Erst einmal: Danke an alle Teilnehmer für euer Verständnis! Niklas war im Team vor Ort dabei und hat die Stimmung trotz Auflagen als absolut positiv wahrgenommen:

Von allen Teilnehmenden wurde ohne gesonderte Aufforderung eine Maske getragen. Alles in allem wurde uns als Veranstalter da sehr viel Verständnis entgegengebracht, auch wenn es natürlich an knurrigen Kommentaren zu vermeintlich sinnfreien Auflagen nicht mangelte. 

Ob sinnvoll oder sinnfrei. Fakt ist, ohne diese Auflagen hätte der Mammutmarsch gar nicht an den Start gehen können. Bei kontaktlosen Veranstaltungen dürfen die Teilnehmer zum Beispiel nichts berühren, was auch andere berühren könnten. Dazu zählen auch unsere Becher mit Wasser zum Auffüllen der Trinkblase. 

Das hat den Prozess am VP etwas verzögert, nennenswerte Warteschlangen haben sich aber trotzdem nicht gebildet, und auch wurden dann ohne Probleme die Abstandsregeln eingehalten. Auf diese wurde ja auch deutlich hingewiesen: sowohl beim Start als auch auf großen Aufstellern am Eingang von jedem VP. Bei der Essensausgabe mussten wir vor allem auf verpackte Lebensmittel zurückgreifen, was unserem Anspruch an bestmöglicher Abfallvermeidung natürlich nicht gerecht wird. Aber die Gesundheit der Teilnehmenden geht in dem Fall vor. 

Wo normalerweise Gruppen von rund 400 Personen gemeinsam starten, sind solche „Massenstarts“ aktuell natürlich nicht denkbar. 

Diesmal hatten wir viel kleinere Startgruppen, die wir immer im 15-Minuten-Rhythmus auf die Strecke geschickt haben. Am Freitag starteten die Gruppen zwischen 18:00 und 19:15 Uhr und Samstag zwischen 11:00 und 12:00 Uhr. Unser Plan ging gut auf und das Teilnehmerfeld wurde schon nach sehr kurzer Zeit entzerrt. 

Genau das war für die einen wahrscheinlich ein Fluch, für die anderen ein Segen: Während die Gruppe mit dem Abendstart zum Beispiel keinerlei Probleme damit hatte, eine ewig lange Distanz über ein offenes Feld zurückzulegen, musste die Samstagmittag-Gruppe bei gefühlten 45 Grad auf diesem Streckenabschnitt natürlich ganz schön kämpfen und schwitzen. 

Ein wenig kompliziert hat sich auch die kurzfristige Suche nach neuen Streckenposten gestaltet, und auch an den Verpflegungspunkten war hier und da Improvisationsbedarf gefragt.

Und wie war die Stimmung im Allgemeinen? So viel die Corona-Krise es uns auch erschwert: Gemeinsam mit euch haben wir das Beste aus der Situation gemacht, und scheinbar ist uns das richtig gut gelungen:

Die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer hat schon verstanden, dass wir da in aktuellen Zeiten alles auf links gedreht haben, um irgendwie etwas auf die Beine zu stellen, um den Leuten trotz aller Hygienemaßnahmen ein besonderes Erlebnis zu ermöglichen. Die Stimmung war daher gefühlt nochmal entspannter als bei den sonstigen Events, einfach weil die Leute froh waren endlich mal wieder Teil von etwas zu sein. Und da man beim Wandern aber ohnehin selten Arm in Arm läuft, konnten sich einzelne Wanderer und Kleingruppen durchaus gegenseitig auf der Strecke motivieren. Dadurch kam bei vielen schon ein Mammutmarsch-Gefühl auf und darum geht es uns ja am Ende des Tages. 

Was wir bei einem Mammutmarsch in Zeiten von Corona lernen können

Für Corona haben wir uns nicht angemeldet. Corona ist wie ein unsichtbarer Gegner, der viele Menschen weltweit in Notlagen gebracht hat. Corona haben wir uns nicht ausgesucht. Den Mammutmarsch hingegen haben wir uns selbst eingebrockt. Wobei, sobald man die erste Hälfte hinter sich gebracht hat, fühlt sich das Ganze für die meisten wohl kaum noch nach einer freiwilligen Spaßaktion an. 

Und trotzdem ist der Mammutmarsch eine Art Mini-Version einer Krise, eine Extremsituation, auf die man sich zwar vorbereiten kann, der man am Ende dann aber einfach ausgeliefert ist. Diese Ungewissheit, ob man es schaffen kann. Nicht den bequemen Weg wählen und aufgeben, sondern dranbleiben, weiterkämpfen und immer wieder neue Strategien entwickeln, bis diese ewig lange Distanz besiegt ist. 

Jede Krise macht uns außerdem auch stärker. Vielleicht bist du während des Lockdowns auch ein wenig in dich gegangen und hast diese Zeit für Selbstreflexion genutzt. Genauso geht es vielen (dir vielleicht auch?) auch beim Mammutmarsch. Stundenlang in der Natur unterwegs sein, nur mit sich und den eigenen Gedanken, kann uns dabei helfen, uns selbst ein Stück weit besser kennenzulernen und neue Seiten an uns zu entdecken. 

Krisen halten uns auch vor Augen, was wir schmerzlich vermissen. Umarmungen, die vorher selbstverständlich waren, fehlten auch beim Zieleinlauf. Laut Niklas war aber auch hier die Einsicht groß:

Die fehlende Umarmung macht das ganze natürlich unpersönlicher, aber auch da hatten alle Verständnis und wollen vielleicht auch selbst nicht irgendeinen vom Team umarmen, der gerade schon 200 andere Menschen im Arm gehabt haben könnte. Das Bewusstsein bei den Teilnehmenden ist da auch ohne unser Zutun schon sehr hoch. 

Aber trotz dieser körperlichen Distanz, trotz Maske und erschwerter Bedingungen, hat sich Berlin irgendwie näher angefühlt als je zuvor.

„Wenn man eins lernt auf dem Mammutmarsch, dann ist es Dankbarkeit“

Respekt an jeden einzelnen von euch! Trotz dieser Affenhitze seid ihr an den Start gegangen, und das muss man erstmal machen. Ganz egal, ob ihr es ins Ziel geschafft habt, oder nicht: Ihr habt JEDEN geschlagen, der zu Hause geblieben ist, im kühlen Schatten oder im Freibad, mit einem erfrischenden Drink in der Hand. 

Zu lesen, wie ihr den Mammutmarsch wahrgenommen habt und wie euch diese Grenzerfahrung erst an den Rande des Wahnsinns à la „Nie wieder!“ bis hin zu „Ach, jetzt könnte ich eigentlich schon wieder…“ befördert hat, ist einfach das beste Feedback, was wir uns wünschen könnten. In diesem Sinne: Danke für all die Impressionen, die ihr mit uns teilt.

Da war ganz viel Dankbarkeit…

„Wenn man eins lernt auf dem Mammutmarsch, dann ist es Dankbarkeit. Dankbar bin ich vor allem Bob & Team, in diesen Zeiten einen so tollen Marsch möglich zu machen. Danke für die Strecke. Es war so spannend, eine Stellen mal im Hellen zu sehen, die ich sonst im Nachtteil des Marsches hatte. Danke für ein durchdachtes und von allen gelebtes Hygienekonzept. Danke für den Enthusiasmus beim Zieleinlauf auch für Kriecher wie mich . Danke für Helfer, die empathisch mit uns Teilnehmern umgehen, wenn wir müde sind und dadurch ein bisschen verwirrt durch die Gegend irren. Danke an die Sanitäter die nicht nur immer präsent waren, sondern auch noch motivierende Worte mit auf den Weg gaben.“ – Diana D. 

„Corona. Abstandsregeln. Maske. Hygienekonzept. Perfekt umgesetzt und trotzdem eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt. Danke für die Organisation. Danke allen Helfern für Euren Einsatz. Danke allen Teilnehmern und Mitwanderern für die gemeinsame Zeit und die Gespräche. Danke allen für aufmunternde Worte.“ – Thorsten H. 

…und außerdem habt ihr uns mit so mancher lustigen Anekdote wieder daran erinnert, dass ein Mammutmarsch eine echte Grenzerfahrung ist und Gefühle in uns hervorrufen kann, die man nicht für möglich halten würde:  

„Mir springt beinahe das Herz aus der Brust, als einer der Helfer mit einem lauwarmen Bröselkaffee mit Milchpulver versetzt bringt. Es schmeckt abgestanden ekelhaft und gleichzeitig ist es das köstlichste Getränk, das jemals meine Lippen benetzt hat.“ – Mona S.

„Ich hasse mich, ich hasse die Straße, ich hasse alle Menschen, denen ich begegne. Ich hasse sogar das scheißgute Wetter und die blöden Vögel, die vollkommen übermotiviert durch die Gegend zwitschern. Es sind gefühlte 53 Grad im Schatten und ich glaube ich muss kotzen. Seit 3 Stunden. Und trotzdem krieche ich auf den Zehennägeln voran. Bis ins Ziel.“ – Auch Mona S. Glück und Leid liegen so nah beieinander.

„Die Streckenführung hat es einfach gemacht auszusteigen, genau bei km 73 führte die Strecke an einer Bushaltestelle vorbei.“ – Ruslan F.

„Wandern ist viel mehr als Wellness.“ – Jeannette H. 

Wandern ist mehr als Wellness und Corona ist eine Mammutsaufgabe für jeden einzelnen von uns. Aber wir sind der Steuermann, nicht das Boot. Wir können handeln, Geschichte schreiben, in vielerlei Hinsicht. Auf dass es von nun an immer weiter bergauf geht, auf viele weitere harte und wunderschöne Mammutmärsche, die zwar noch ohne unsere berühmte Zielumarmung stattfinden müssen, dafür aber mit umso mehr Gänsehaut, weil wir alle zusammen an einem Strang ziehen und immer weiter machen, Schritt für Schritt für Schritt für Schritt. 

Uns falls es bei dir jetzt auch schon in den Füßen kribbelt, weißt du ja was zu tun ist… 😉 Zu den Events geht es hier entlang: Mammutmärsche 2020

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